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An Detlev von Liliencron -
1.3.1889
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Liliencron: eigentlich Friedrich
Adolf Axel Frhr. v. Liliencron (*Kiel 3.6.1844
+Alt-Rahlstedt 22.7.1909); Liliencron wirkte zunächst als
preußischer Offizier und Verwaltungsbeamter, zuletzt bis
1887 als Kirchspielvogt in Kellinghusen um sich dann ganz
der Literatur zuzuwenden. Er galt von nun an als einer der
wichtigsten Vertreter des deutschen Impressionismus. -
Original: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg,
Nachlaß Liliencron, Sign.
157b.
Als Liliencron am 31.3.1889 den ihm bisher unbekannten
Kruse in der Redaktion aufsucht, erstaunt der den Besucher
mit seiner Belesenheit - Liliencron meint in ihm gar den
»feinsten Literarhistoriker« zu erblicken - auch gibt Kruse
sich als versierter Lyriker zu erkennen und wird von
Liliencron in der Folgezeitdazu animiert, offensiver mit
seinem Talent umzugehen. Auch erkennt er in ihm ein
lyrisches Naturtalent. Er betraut ihn in der Folgezeit mit
Korrekturen und der Redaktion an seinen Gedichtbänden 'Der
Haidegänger' und 'Der Mäcen'. Auch verpasst er ihm den
Dichternamen »Iven« und als wenig später dessen erste
niederdeutsche Ballade 'De Schattentog' veröffentlicht
wird, feiert Liliencron Kruse gar öffentlich als
Wiederbeleber der niederdeutschen Ballade in der Nachfolge
Klaus Groths.
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Hochgeehrter Herr,
ich bin so frei, mich zu den Schleswig-Holsteinern zu rechnen, die ein Gedicht nicht um eine
Brotschnitte »mit recht viel Butter drauf« vertauschen; zu den Schleswig-Holsteinern, die von
Brüggemann, Carstens, Hebbel, dem theuren Storm u.v.A. mehr halten, als von der »Engen«burger Rasse
- zu den Schleswig-Holsteinern ferner, die, soweit sie die »Adjutantenritte«, die »Sommerschlacht«,
die »Flatternden Fahnen« und »Breide Hummelsbüttel« etc. - zu denen ich so oft nach der ersten
einen hinreichenden Genuß gewährenden Lectüre zurückkehre, stets von Neuem erquickt und reich
belohnt - kennen, in Detlev von Liliencron einen großen und originellen Dichter mit heißer Liebe -
nicht mit kalter Achtung - bewundern!
Ja, wenn ich auszudrücken vermöchte, wie sehr ich Sie liebe, bewundere und beneide - den Dichter
von Gottes Gnaden, den legitimen Erben Theodor Storms; Und nun finde ich im Januarheft der
Zeitschrift »Deutsche Blätter« (Eger, H. N. Brauß) die folgende Notiz in einem Aufsatz von M. Sölch
über D. v. Liliencron: »Außer dieser Gedichtsammlung, der in Kürze eine zweite folgen wird - -«
Ist dem so? Ich hoffe, Sie werden es meiner freudigen Ungeduld zu Gute halten, wenn ich mich nun -
es ist schon März und ich habe nichts wieder über das Erscheinen des Buches gehört, dessen Krone
sicherlich das einzigartige wundervolle Gedicht »Einsamkeit« bildet - wenn ich mich nun an Sie
selbst mit der Frage zu wenden wage, ob jene Notiz die Wahrheit sagte! Es wäre mir auch deshalb
lieb zu wissen, wie ich meinen Landsleuten einmal eine kleine Bußpredigt halten möchte über ihre
Harthörigkeit in Bezug auf Ihre Dichterthätigkeit - wer hat freilich über die in (verzeihen Sie: es
sollen zwei Weizensäcke sein!) nicht Klagen müssen! - und ich gerne wenn das Erscheinen des Buches
nicht in gar zu weiter Ferne stände, dasselbe mit zu den Kreis meiner Betrachtungen ziehen möchte
-
Nichts für ungut: bün Kind von sülben Bloot!
In innigster Verehrung
ergebenst
Kiel, 1. März 89 Johannes Kruse
Hafenstr.20
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An Gustav Frenssen -
12.12.1907
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Frenssen: (*Barlt 19.10.1863 +Barlt
11.4.1945); Pastor und Schriftsteller. 1903 legte
Frenssen sein Amt als Pastor aus Gewissensgründen
nieder und widmete sich fortan ganz der
Schriftstellerei. Zu seinen Werken zählen u.a:
'Jörn Uhl' (1901) und 'Hilligenlei'
(1905).
Biernatzki: Jan Jelles Friedrich Wilhelm
B. (*20.4.1855 +29.2.1940) Landwirt, Journalist,
Verbandsfunktionär. Er arbeitete als Redakteur
bevor er zwischen 1884 u. 1885 die weit über den
landwirtschaftlichen Rahmen hinausreichenden
'Schleswig-Holsteinischen Jahrbücher. Zeitschrift
für wirtschaftliche Kultur, die sozialen
Bestrebungen und das öffentliche Leben der
Gegenwart' herausgab. // 'Heiltrank': Die Erzählung
nahm Kruse in den Sammelband 'Schwarzbrotesser'
(Berlin/Leipzig 1900) auf. - Original:
Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel,
Nachlaß Frenssen.
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Hochgeehrter Herr,
ich bin so frei, mich zu den Schleswig-Holsteinern zu rechnen, die ein Gedicht nicht um
eine Brotschnitte »mit recht viel Butter drauf« vertauschen; zu den Schleswig-Holsteinern,
die von Brüggemann, Carstens, Hebbel, dem theuren Storm u.v.A. mehr halten, als von der
»Engen«burger Rasse - zu den Schleswig-Holsteinern ferner, die, soweit sie die
»Adjutantenritte«, die »Sommerschlacht«, die »Flatternden Fahnen« und »Breide
Hummelsbüttel« etc. - zu denen ich so oft nach der ersten einen hinreichenden Genuß
gewährenden Lectüre zurückkehre, stets von Neuem erquickt und reich belohnt - kennen, in
Detlev von Liliencron einen großen und originellen Dichter mit heißer Liebe - nicht mit
kalter Achtung - bewundern!
Ja, wenn ich auszudrücken vermöchte, wie sehr ich Sie liebe, bewundere und beneide - den
Dichter von Gottes Gnaden, den legitimen Erben Theodor Storms; Und nun finde ich im
Januarheft der Zeitschrift »Deutsche Blätter« (Eger, H. N. Brauß) die folgende Notiz in
einem Aufsatz von M. Sölch über D. v. Liliencron: »Außer dieser Gedichtsammlung, der in
Kürze eine zweite folgen wird - -«
Ist dem so? Ich hoffe, Sie werden es meiner freudigen Ungeduld zu Gute halten, wenn ich
mich nun - es ist schon März und ich habe nichts wieder über das Erscheinen des Buches
gehört, dessen Krone sicherlich das einzigartige wundervolle Gedicht »Einsamkeit« bildet -
wenn ich mich nun an Sie selbst mit der Frage zu wenden wage, ob jene Notiz die Wahrheit
sagte! Es wäre mir auch deshalb lieb zu wissen, wie ich meinen Landsleuten einmal eine
kleine Bußpredigt halten möchte über ihre Harthörigkeit in Bezug auf Ihre Dichterthätigkeit
- wer hat freilich über die in (verzeihen Sie: es sollen zwei Weizensäcke sein!) nicht
Klagen müssen! - und ich gerne wenn das Erscheinen des Buches nicht in gar zu weiter Ferne
stände, dasselbe mit zu den Kreis meiner Betrachtungen ziehen möchte -
Nichts für ungut: bün Kind von sülben Bloot!
In innigster Verehrung
ergebenst
Kiel, 1. März 89 Johannes Kruse
Hafenstr.20
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An Alfred Janssen -
17.8.1904
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Janssen: (*1865 +1935);
Verlagsbuchhändler in Hamburg. Kruse hatte dem
Verleger 1903 eine Reihe von Skizzen und Dichtungen
in Prosa zugesandt. Janssen sollte prüfen, ob sie
für eine Buchveröffentlichung geeignet seien und
wenn, unter welchen Bedingungen. // Im Verlag Georg
Heinrich Meyer erschien 1900 der Band
'Schwarzbrotesser [sic], holsteinische Geschichten
und Gestalten'. Als der Verlag in Konkurs ging,
übernahm ein Zweitverwerter auch die Restbestände
von Kruses Buch. Das fällige Honorar, daß Meyer
schuldig geblieben war, leitstete auch er nicht.
Zudem kaufte Kruse die Restbestände zurück, um
seine Bücher vor dem Verschimmeln zu retten. -
Original: Staats- und
Universitätsbibliothek.
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Hamburg, Durchschnitt 93 II
den 17. August 04
Sehr geehrter Herr Janssen,
vor langer Zeit legte ich Ihnen eine Sammlung Skizzen vor, auf die Sie keinen Appetit
hatten, die ich s.Z. aber doch in Ihren Händen liess, in der geheimen Hoffnung, dass Sie
sich ihrer doch vielleicht noch annehmen würden. So optimistisch ist selbst ein Mensch, der
mit G. H. Meyer jetzt einen tiefen Blick in die Verlegerseelen getan hat. Was übrigens
nicht heissen soll, dass ich auch Ihnen eine schwarze Seele zutraue. Im Briefschreiben
offenbare ich immer eine bemerkenswerte Ungeschicklichkeit. Jetzt molestiert mich aber ein
anderer Verlag mit Bitten, ihm etwas von mir zu geben und da ich soweit nichts habe, so
möchte ich Sie freundlichst bitten, mir die Sachen wieder zustellen zu wollen. - Mein
Roman, so gut und originell es werden könnte, wird wohl im Keim vertrocknen, denn ik kreeg
gorkeen Tid un keen Stimmung, an em to denken, veel weniger um to schrieben.
In vorzüglicher Ergebenheit
Johannes Kruse
(Iven Kruse)
NB. Auf Gedichte haben Sie wohl erst recht keinen Appetit? Ich habe zwei oder drei
geschrieben, die wundervoll sind, die übrigen sind passabel. Sonst mögen auch die weiter
schimmeln.
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