IVEN KRUSE

Lebenschronologie

1865 - Johannes Kruse wird am 11. April als erstes Kind des Schmiedemeisters in Ruhwinkel, Kreis Plön, geboren. Kruse besucht die einklassige Dorfschule. Zum Schmiedehandwerk hat er kein Interesse; viel lieber liest er die Geschichten Theodor Storms, Eduard Mörikes und die Werke Wilhelm Raabes. So soll er die Lehrerlaufbahn einschlagen.

                

 Geburtshaus, Dorfstr. 7 (Aufnahme 1998)                  Ehemalige Schmiede in Ruhwinkel (Aufnahme 1998)

1880 - Besuch der Präparande in Barmstedt, doch aus Heimweh kehrt Kruse kurze Zeit später nach Hause zurück.
1884 - Hilfsarbeiter bei Wilhelm Biernatzkis in Kiel, der die 'Schlesw.-Holst. Jahrbücher' herausgibt.
1885 - Beginn des Volontariats bei der 'Kieler Zeitung'. Die ersten Arbeiten erscheinen.
1889 - Die Veröffentlichung der niederdeutsche Ballade 'De Schattentog' lenkt die Aufmerksamkeit des Dichters Detlev v. Liliencron auf Kruse. Liliencron ist es, der ihm den Künstlernamen "Iven" gibt. - Kruse ist öfter zu Gast in Kellinghusen bei Detlev v. Liliencron und hilft im beim Korrekturlesen und Redigieren des Gedichtbandes 'Der Haidegänger'. Als der Band schließlich 1890 erscheint, enthält er eine gedruckte Widmung an den Freund aus Ruhwinkel.
1890 - Wegen Differenzen über die Ausrichtung der Vereinigung (die ausschließliche Geltendmachung der Moderne ist nicht ihre Sache) geben am 2. August Arno Holz, Johannes Schlaf, Otto Ernst, Bierbaum, Detlev v. Liliencron, Iven Kruse, Bahr und Bernhard Malnicke ihren Austritt aus der Vereinigung 'Freie Bühne' bekannt. Vom Verein heißt es, er wolle sich nicht zum "Organ" bestimmter Personen oder Gruppen machen lassen. Kruse veröffentlicht in den wichtigsten literarischen Zeitschriften der Zeit. 
1891 - Auf Anraten seines Freundes v. Liliencron geht Kruse als freier Schriftsteller nach München. Kruse schließt sich dem Kreis um Julius Langbehn und Momme Nissen an. Ihm gelingt es, einige Arbeiten bei der neu gegründete Zeitschrift 'Moderne Dichtung. Monatsschrift für Literatur und Kritik' (Hrsg. E. M. Kafka / nachfolgend 'Freie Bühne' u. 'Neue deutsche Rundschau') unterzubringen ('Christus', 'Die Gekreuzigte' u. einfühlsame Rezensionen u.a. zu Paul Scheerbart), kommt auch in Kontakt mit theosophischen Kreisen, in deren Monatsschrift 'Sphinx', Hrsg. Wilhelm v. Hübbe-Schleiden - vornehmlich metaphysischen Themen gewidmet - er 1892 die kurze Prosadichtung 'Die Gekreuzigte' noch einmal veröffentlichen kann, aber insgesamt gelingt es ihm nicht, ausreichend Lohn und Brot zu verdienen. Auch in der Zeitschrift 'Die Gesellschaft' finden sich einzelne Rezensionen aus der Feder Kruses.
1892 - Desillusioniert zieht Kruse nach Altona. Er lernt den Verleger des 'Cuxhavener Tageblattes', Rauschenplat, kennen, der ihm eine Stelle anbietet, und Kruse greift zu.
1895 - Kruse redigiert das Gedenkbuch zur 500-Jahrfeier der Vereinigung von Ritzebüttel mit Hamburg und lernt Personen wie Richard Dehmel, Otto Ernst und Jacob Bödewadt kennen. Er befreundete sich mit Hermann Allmers, Klaus Groth, Timm Kröger und  Hermann Löns an.
1900 - Die besten seiner norddeutschen Geschichten läßt er unter dem Titel 'Schwarzbrotesser' zu einem Bändchen zusammenfassen.
1902 - Kruse wechselt als Feuilletonredakteur an die 'Hamburger Nachrichten'.
1905 - Zweite Auflage der 'Schwarzbrotesser'.
1911 - Chefredakteur des Feuilletons beim Hamburger 'Fremdenblatt'. Zahlreiche Theater- und Literatur-Rezensionen und Reiseberichte vor allem aus dem skandinavischen Raum aus der Feder Kruses füllen die Spalten. Er hebt eine eigene Literaturbeilage aus der Taufe verpaßt so der Zeitung neue Facetten
1919 - Kruse redigiert die Beilage 'Schleswig-Holstein' der 'Kieler Zeitung' und steuert einzelne kurze Erzählungen und Gedichte bei.
1920 - Mitinitiator und Ausschußmitglied (neben Prof. Otto Mensing, Direktor Heinrich Harms u.a.) eines Kulturprogramms für Schleswig-Holstein, an dessen erster Stelle die Schaffung einer Landesschule, vergleichbar mit der heutigen Volkshochschule, steht und als zentrale Sammlungs- und Forschungsstätte im Kieler Schloß ein Museum für Vorgeschichte, eine Landeshalle, eine Kunsthalle und eine Landesbibliothek eingerichtet werden sollte. Ferner wird u.a. die Schaffung von Professuren für regionale Geographie und Geologie, für Niederdeutsche Sprache und für Skandinavien und die Hanse gefordert. Weitere Forderungen lauten auf Herausgabe des Schleswig-Holsteinischen Wörterbuchs, Herausgabe einer allgemeinen Bibliographie für heimische Literatur, Beendigung des unwürdigen Umgangs mit schleswig-holsteinischen Urkunden und Aufbau eines geordneten Archivwesens in Schleswig und die Selbstständigkeit des Kieler Museums für vaterländische Altertümer gegenüber der Reichshauptstadt Berlin. »Machtpolitik ohne Kulturuntergrund ist morsch und brüchig. Wirtschaftspolitik ohne Kulturideen ist gehaltlos und materialistisch. Kultur muß alle Lebensäußerungen eines Volkes tragen und erfüllen. Kulturpolitik zielt auf Wesen und Dauer und ist darum letzten Endes wichtiger und wertvoller als Macht- und Wirtschaftspolitik, wenn auch ohne diese nicht zu leisten.«
1922 - Kruse ist für wenige Wochen Redakteur der 'Schleswigschen Grenzpost' in Flensburg; danach versucht er sich wieder als freier Schriftsteller.
1923 - Karl Wachholtz betraut Kruse mit der Redaktion der Kulturbeilage 'Salz und Brot' der 'Niederdeutsche  Rundschau'. Zeitweilig veröffentlicht er unter sieben Pseudonymen Gedichte und Betrachtungen zur Politik und Zeitgeschehen.
1923 - Dritte Auflage der 'Schwarzbrotesser' und erste Auflage des neuen Sammelwerkes 'Zum stillen Unverhofft'.
1925 - Erneuter Versuch als freier Schriftsteller zu leben. Kruses größtes Erzählwerk 'Der dritte Bismarck' wird nach Erscheinen konfisziert. Nur wenig kaschiert tauchen all die Orte Ruhwinkel, Altekoppel, Wankendorf, tauchen die Güter, Gutsbesitzer und andere reale Personen auf
1926 - Während der Auftragsarbeit für die Familie Ahlmann über die Historie der Hollersche Carlshütte in Rendsburg stirbt Kruse am 10. September. Er findet sein Grab auf dem Friedhof von Bornhöved, zu dessen Kirchspiel sein Geburtort gehört.